Angst verursacht Stress

Was löst Stress aus?

Angst löst beim Hund, wie bei uns Menschen, Stress aus.

Dabei wird, neben Adrenalin, das Hormon Cortisol vom Körper vermehrt ausgeschüttet.

Stress auslösende Faktoren können sein:

Unbekanntes, Läufigkeit, fremde und laute Geräusche, Gerüche, Über- und Unterforderung, Jagen, Autofahren, Ball- oder Stöckchen werfen, Fremdhundbegegnungen und vieles mehr.

Stresssymptome:

vermehrtes bis starkes Hecheln, Speicheln, Schwitzen, Angespanntheit, Bellen, Anspringen, vermehrtes Lecken, Kratzen, Beschwichtigungssignale zeigen, Hyperaktivität, Ruhelosigkeit, zu wenig Schlaf etc.

Mit einer normalen Stresssituation, wie sie immer mal wieder vorkommen kann -es fällt zum Beispiel etwas runter und der Hund erschrickt sich- kann der Körper gut umgehen. Vom Moment des Ereignisses bis zum absoluten Höhepunkt des Stresspegels dauert es ca. 15 Minuten. Diese „Alarmbereitschaft“ wird für einen gewissen Zeitraum vom Körper aufrechterhalten. Fängt der Körper an sich zu beruhigen, braucht er, je nach Intensität des Ereignisses, Psyche und Konstitution des Hundes, zwischen 2-6 Tagen, um das Hormon und den Stress wieder abzubauen.

Hunde, die vor allem und jedem Angst haben, also dauernd in dieser „Alarmbereitschaft“ leben, haben dadurch höhere Risiken für Krankheiten, weil der Körper permanent überfordert wird. Er macht ständig Überstunden und kommt überhaupt nicht mehr zur Ruhe. Lebenswichtige Energie wird von den übrigen Systemen abgezogen. Krankheit durch Stress muss zwar nicht der Fall sein, doch liegt es sehr nahe, dass schon vorhandene Störungen und Krankheiten dadurch gefördert werden. Wichtig ist es, dem Hund genug Ruhephasen zu lassen, um diesen Stress abbauen zu können. Analysiert man den Hundealltag mal aus der Sicht des Hundes, sieht er vielleicht so aus??

Filofax eines Hundes:

Montag

Ein ruhiger Vormittag, mittags gehen die lieben Kleinen mit ihm Gassi und spielen mit den Freunden „Fang den Hund“

Dienstag

Morgens Hektik, da alle verschlafen haben. Besuch von Frauchens bester Freundin, die ihr Kleinkind mitbringt. Am Nachmittag kommen die Freunde der Kinder und spielen im Haus, wegen schlechtem Wetter.

Mittwoch

Frauchen geht nur schnell die kleine Runde, da sie einen Arzttermin hat. Zweimal klingelt es an der Haustür, dann kommen die Kinder lärmend nach Hause, abends geht’s in die Hundeschule

Donnerstag

Morgens etwas Frühsport mit Frauchen und danach das große Hundetreffen. Nachmittags Besuch bei Oma, die vor dem Hund Angst hat.

Freitag

Einkaufstag mit Frauchen, nachmittags Kindergeburtstag, abends Ärger zwischen Herrchen und Frauchen.

Samstag

Noch mal Hundeschule, diesmal Unterordnung. Nachmittags Geburtstagsfeier der Tochter mit den Verwandten.

Sonntag

Ruhe ... lange ausschlafen. Anschließend Familienausflug in den Wald mit anschließendem Picknick.

So oder so ähnlich sieht der Tagesablauf einen Hundes aus. Stress pur für einen unsicheren Hund. Wenn man nun weiß, daß der Hund 2-6 Tage braucht, um Stress abzubauen ist bei solch einem Wochenpensum der Ärger vorprogrammiert. Es sollte eine genaue Analyse, evtl. mit professioneller Hilfe (z.B. Tierarzt, Trainer), über den Tagesablauf und die Gewohnheiten des Hundes erfolgen.

Auch evtl. Krankheiten sollten vorher ausgeschlossen werden. Man sollte genau beobachten, wann und wie die Stresssymptome auftreten, und sofort mit einem Abbau beginnen. Dabei ist es sehr hilfreich ein Tagebuch zu führen, in dem man festhält: was ist wann und wie passiert, wie habe ich mich als Hundeführer verhalten, welche Umgebung, welche Leckerli usw.

Dabei sollte man nicht vergessen: Es nützt nichts an den Symptomen zu arbeiten, wenn man dabei die Ursache vergisst.

Ein gestresster Angsthund ist in der Regel sehr unsicher, durch eigenes richtiges Verhalten (z.B. genaues Beobachten der Körpersprache) und Rituale (z.B. immer den gleichen Weg gehen) kann ich dem Hund die nötige Sicherheit vermitteln. Das allerwichtigste beim Stressabbau ist immer: selbst ruhig und gelassen zu bleiben und sich sehr viel Zeit für seinen Hund zu nehmen.

Ist man selber schlecht gelaunt und/oder gestresst, überträgt sich das sofort auf den Hund.

Positiver Stress

Auf die inneren Organe und die Hormone hat er den selben Effekt wie der negative Stress, doch auch Hund hat den positiven Stress lieber als den negativen.

Es gib auch den positiven Stress, genau wie bei uns Menschen auch. Am Anfang sollte man nur wenigen stressauslösenden Faktoren begegnen und erst, wenn eine Übung „richtig sitzt“, kann langsam gesteigert werden. Klare und kurze Kommandos geben, bei richtiger Ausführung verbal und mit Leckerli loben, keinesfalls schimpfen und/oder strafen, wenn die Übung nicht klappt, auf die Fortschritte achten und lieber mal einen Schritt zurückgehen als den Hund evtl. zu überfordern.

Dem Hund zwischendurch Zeit zum laufen und Geschäft verrichten geben, hat man einen sogenannten „Spieljunky“, solche Spiele ab sofort unterlassen (diese Spiele lösen bei jedem Hund Stress aus, die Junkies darunter können damit gar nicht mehr aufhören, fordern immer mehr Spiel, können dadurch hyperaktiv werden und der Stresspegel baut sich immer weiter auf) und versuchen, den Hund mit Kopfarbeit (z.B. Leckerlisuche) auszulasten, bei Begegnungen Bogen laufen, versuchen den nötigen Sicherheitsabstand für den Hund einzuhalten.

Ist der Hund zu gestresst, die Übung immer positiv abbrechen und zu einem späteren Zeitpunkt fortsetzen.

Von Angst zur Aggressivität

Stress erkennt man bereits an kleinen Anzeichen, wie vermehrtem Hecheln, Schwitzen, Angespanntheit, Bellen oder Beschwichtigen. Zeigt der Hund (vermehrt) Stresssymptome, sollte man ihn aus der Situation herausholen.

Wenn man seinen Hund vor und in einer ihn ängstigenden Situation genau beobachtet, kann man ein System oder auch -einfach ausgedrückt- eine Leiter erkennen, wie sich die Angst zu Aggression entwickelt oder entwickeln kann. Zuerst ist noch alles normal, da er noch keine Gefahr wahrgenommen hat. Sobald er die Gefahr wahrnimmt, wird er mit leichten Beschwichtigungssignalen, wie Blinzeln oder Lecken reagieren um so die Situation aufzulösen. Gelingt ihm das nicht, wird er versuchen sich aus der Situation zu lösen, in dem er flieht. Manche Hunde versuchen vor der Flucht noch stärkere Beschwichtigungssignale, wie Körper wegdrehen, einzusetzen. Hat er auch damit keinen Erfolg, so ist die nächste Stufe, dass man auf die Gefahr zugeht. Hier greift der Instinkt: Flucht oder Angriff. Flucht war nicht möglich, somit bleibt nur der Angriff.

Wenn man also mal genau darüber nachdenkt, wie der eigene Hund regiert, hat man auf jeder „Sprosse der Leiter“ die Chance, dem Hund eine Alternative zu bieten, je nach Situation. Im Lokal, zum Beispiel, kann man den Hund unter einen Tisch legen und ihm vielleicht noch die eigene Decke als Sicherheit bieten. Beim Spaziergang kann man dem Hund die Möglichkeit bieten, wenn es die Örtlichkeit zulässt, einen Bogen um die Gefahr zu machen oder man versucht vorsichtig und freundlich sprechend den Hund an die „Gefahr“ heran zu führen, um ihm zu zeigen, dass es nicht gefährlich ist. Bietet man ihm keine Alternative an, sondern ignoriert man die Anzeichen oder schlimmer noch, man reißt an der Leine, schimpft mit ihm und verbietet es ihm, so ist es sehr wahrscheinlich, dass er die jeweilige Sprosse überspringt und gleich zur nächsten übergeht. ... aus dem ängstlichen Hund ist ein aggressiver Hund geworden.

Autor: angsthund.de (bitte unsere AGB beachten)

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