Hündisch für Anfänger

Ein Hund, der mit dem Schwanz wedelt, freut sich und einer, der den Schwanz einklemmt, hat Angst. So das landläufige Basiswissen über hündische Kommunikation. Aber ganz so einfach ist es nicht. Hunde kommunizieren sehr viel komplexer und für eine richtige Interpretation müssen eine Menge Details beachtet werden.

Schwanzwedeln

Fangen wir mit dem Klassiker an. Bedeutet Schwanzwedeln wirklich immer Freude? Zunächst mal ist ein Hund, der mit dem Schwanz wedelt, einfach nur aufgeregt.

Ein Hund, der so am Gartenzaun steht und mit dem Schwanz wedelt, freut sich nicht unbedingt über den Besucher. Eine hoch erhobene Rute deutet eher auf Anspannung und Unsicherheit hin. Diese Aufregung schlägt sich in heftigem Schwanzwedeln nieder. Wie man auf dem Bild sehr schön sieht, der Oberkörper ist nach vorn gerichtet, der Hund wirkt sehr steif und angespannt. Ob die Aufregung in Freude oder Aggression kippt, kann nicht so ohne weiteres beantwortet werden. Es ist genauso gut möglich, dass sich die Aufregung einfach legt.

Hier ist es wirklich Freude, der wedelnde Rute ist unterhalb der Rückenlinie, der Körper ist weich, die Augen leuchten. Bei diesem Hund muss man sich eher Sorgen machen, dass die Begrüßung in freudigem Gesicht-Abschlabbern endet.

Obwohl auch hier der Schwanz vor Freude wedelt, ist der Körper rückwärts gerichtet, der Blick drückt eher Misstrauen aus und der Hund ist zwischen Angst und Freude hin und hergerissen. Die Freude kann schnell in Aggression kippen, wenn der Hund zu sehr bedrängt wird. Als Mensch sollte man sich hier lieber zurückhalten, auch wenn der Hund sich freut.

Eingeklemmte Rute

Und was ist jetzt mit der eingeklemmten Rute? So ein Hund hat doch aber auf jeden Fall Angst. Jain. Es ist richtig, dass ein Hund, der Angst hat, oft die Rute einklemmt. Er könnte aber auch einfach frieren. Und dann gibt es Rassen, die von Natur aus den Schwanz eher zwischen den Beinen tragen. Wir finden das sehr oft bei den Windhunden. Dazu noch die vielen Windhunden eigene Zurückhaltung fremden Menschen gegenüber und schwupps, gilt ein völlig entspannter Hund als ängstlich.

Auf den oben gezeigten Bilder haben beide Hunde einen eng angelegten, fast schon eingeklemmten Schwanz und angelegte Ohren. Während der rechte Hund gerade starkes Meideverhalten am Wasser zeigt (O-Ton der Halterin: Er hat Wasser gehasst.), guckt sich der linke entspannt die Gegend an.

Die Bürste

Bei aufgestellten Nackenhaaren denkt jeder sofort an Aggression. Bei jungen Hunden kann man im Spiel oft beobachten, dass einer der Hunde plötzlich eine Bürste bekommt. Oder die jungen Kerle haben plötzlich einen Kamm bis in die Schwanzspitze, wenn sie einer erwachsenen, souveränen Hündin gegenüberstehen. Diese Bürste wird vom Cortisol gesteuert und zeigt einfach an, dass der Hund sich gerade in einer für ihn stressigen Situation befindet. Er ist schlichtweg aufgeregt. Auf dem hier gezeigten Bild hat der weiße Hund zwar die Rückenhaare aufgestellt, aber der Blick ist abgewendet, die Ohren sind nach hinten angelegt und eigentlich würde der Hund gern eine Konfrontation vermeiden. Er ist unsicher und weiß nicht, wie er mit der Situation umgehen soll.

"Meiner hat doch nur guckt."

Diesen Satz hört man oft, wenn Hundehalter sich wundern, dass ein fremder Hund so aggressiv auf den Blick ihres Hundes reagiert.

Hier haben wir zwei Bilder einer Hündin im direkten Vergleich. Auf dem linken Bild fixiert* sie meine Hündin, die hinter mir sitzt, während ich fotografiere. Auf dem rechten Bild läuft sie entspannt auf meine Hündin und mich zu.

*Sie fixiert meine Hündin, weil das Frauchen Futter in der Hand hält, es geht hier um Ressourcenverteidigung.

Links: frontaler Blick, ganz harter Gesichtsausdruck, die Schnauze parallel zur Rückenlinie, zeigt ebenfalls frontal nach vorn. Der Körperschwerpunkt liegt auf dem vorderen Bein in unsere Richtung. Die leichte Neigung zur Seite entsteht, weil die Hündin ja um Frauchen herum müsste, wenn sie attackieren wollte. Die Rute sieht man leider nur teilweise, würde man den Rutenansatz sehen, würde der mit ziemlicher Sicherheit in einem klaren Bogen noch oben gehen, der Ansatz wäre über der Rückenlinie. Der ganze Hund sieht total angespannt aus.

Rechts: große Kulleraugen, weicher ausweichender Blick. Die Hündin ist auch nicht frontal zu uns ausgerichtet, sondern leicht seitlich, der Körper schlängelt ein bisschen auf uns zu. Die Schnauze geht Richtung Boden, der Körperschwerpunkt geht auch zur Seite, von uns weg. Der Rutenansatz unten, die Rute eher neutral, wedelt ein bisschen hin und her. Der Kopf ist unterhalb der Rückenlinie, der ganze Hund wirkt weich und sogar demütig.

DVD-Tipp

Es gibt inzwischen sehr gute Literatur und DVDs zu dem Thema. Sehr zu empfehlen ist die DVD "Das Kleingedruckte in der Körpersprache des Hundes" von Dr. Ute Blaschke-Berthold. Auf jedes Detail hier einzugehen, würde zu weit führen. Grundsätzlich gilt es immer, den ganzen Hund und den Kontext, in dem der Hund sich gerade befindet, anzuschauen.

Man sollte mindestens drauf achten, wie sind

  • die Ohren, nach hinten angeklappt oder nach vorn gerichtet, bei Schlappohren immer auf den Ohrenansatz gucken

  • die Augen, groß runde Kulleraugen, schmale Schlitze, ist das Weiße zu sehen, wohin geht der Blick
    - direkter Blickkontakt deutet eher auf Konfrontation hin
    - abgewandter Blick bedeutet eher Deeskalation der Situation

  • Schnauze und Lefzen, offen oder geschlossen, hochgezogen, gekräuselt

  • Körper und Körperschwerpunkt, eher vorn, eher hinten, geduckt oder steil aufgerichtet und steif

  • Rutenansatz und Rutenbewegungen, ist der Rutenansatz über der Rückenlinie oder darunter, bei manchen Rassen geht es gar nicht unter die ckenlinie, sind die Bewegungen schnell oder langsam

Wenn wir die Körpersprache eines Hundes beurteilen wollen, steht an allererster Stelle die sachliche, neutrale Beobachtung. Und erst wenn wir die Fakten gesammelt haben, können wir etwas interpretieren, wohl wissend, dass wir mit unserer Interpretation auch völlig falsch liegen können.

Autor: Michaela Wielan (bitte unsere AGB beachten)

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